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ThemaDas Resümee jahrzehntelanger Entwicklungshilfe4 Beträge
RubrikFeuerwehr-Historik
 
AutorKlau8s B8., Isernhagen / Nds546529
Datum04.03.2009 08:015275 x gelesen
Hallo Freunde,

immer wieder werde ich angeschrieben, wann dann nun mal eine neue Geschichte käme??

Dass das nicht nur auf Gegenliebe stößt ist mir klar, hier bitte ich einfach mal um Toleranz.

Diese Einspielung bedarf einiger Anmerkungen: Es ist die Zusammenfassung und der Versuch einer persönlichen Aufrechnung der Arbeit in der Dritten Welt.

Sie enthält in weiten Teilen Dinge, die nicht unbedingt Feuerwehr sind. Da diese aber nach etwa 50 % beginnen kann da jeder aufhören , zu lesen..

Nur, warum? Interessiert ein FW.Mann sich wirklich nur für seine Pumpe oder findet er es gut, neben den abendlichen Fernsehnachrichten auch mal ein bisschen Hintergrundwissen durch einen Kameraden, der das Ganze bitter erlebt hat zu bekommen? Der dann mit Sicherheit in der Lange ist, das Eine oder Andere etwas besser einzuordnen.

Entscheidet es selber

und bleibt immer fröhlich
Klaus
*********************************************************************
Resümee

„Désormais, une immense plainte m’habite; je sais des choses , dont je ne puis pas prendre mon parti. Quel démon m’a poussé en Afrique ? Qu’allais-je donc chercher dans ce pays ?
J’etait tranquille. A présent je sais: je dois parler «
« Eine grenzenlose Klage wohnt in mir. Ich weiß um Dinge, die ich nicht akzeptieren kann. Welcher Dämon hat mich nach Afrika geschickt? Was tue ich hier in diesen Ländern?
Früher lebte ich gelassen, aber jetzt muss ich reden!“

Dieses ist der Klageruf der alten Afrikaner, die am Ende eines Lebens in dem
Dunklen Erdteil zurückschauen auf ihre Träume, ihre Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben und nicht erfüllen konnten. Peter Scholl-Latour, der große Mann des deutschen Journalismus beschreibt es so entsetzlich treffend in seinem Buch „Totenklage Afrika““.


Wer nach Afrika geht und glaubt, dort wirklich etwas bewegen zu können, der wird irgendwann einmal von dieser Tristesse ergriffen und kann sich der Verzweifelung nicht entziehen.

Dieses ist letztendlich das bittere Resümee, welches auch ich empfinde, trotz zweifelsfrei vorhandener guter Erfolge.

Die Gründe sind viele zu hohe Erwartungen, ein falscher Ansatz im Denken, der Kampf gegen eine Mentalität, die der unseren so weit unendlich weit entfernt ist.

Habe ich wirklich Grund zur Traurigkeit? Ja und nein. Ich habe viel geschafft,
habe einen kleinen Rettungsdienst, für dortige Verhältnisse ein gewaltiger Fortschritt aufgebaut, der Großstadtfeuerwehr erst einmal Atemschutz verpasst und auch gute Leute ausgebildet.

Ich habe dafür gesorgt, dass diese Wehr über fast zehn Jahre überhaupt existieren konnte. Ohne „meine“ Fahrzeuge wäre sie tot gewesen.

Das mag übertrieben klingen, aber Fakt ist folgendes: Im Laufe meiner Zeit habe ich die Feuerwehr Blantyre mit folgendem zusammengebettelten Gerät versorgt:
Ein Trockenpulvertanklöschfahrzeug,
einen Rüstwagen, der später durch den Carsten auf wundersame Weise zu einem Tanklöschfahrzeug (TLF) umgebaut wurde,
einen Rettungswagen
einen Krankentransportwagen,
diese Fahrzeuge alle von der BF Hannover,
ein IFA-Tanklöschfahrzeug von der BF Berlin,
eine Tragkraftspritze (BF Hannover),
diverses Geräte wie Schläuche und Armaturen, Schuhe, Schreibmaschinen und Uniformen,
Pressluftatmer mit Masken sowie einem Kompressor zum Befüllen der Flaschen von der BF Leipzig.

In der Zeit habe ich etwas lernen müssen, was mir persönlich widerstrebt: Das Betteln.

Ich wurde mal gefragt, was eigentlich meine diplomatische Arbeit ausmache und die Antwort war: Ich bin offizieller Spendensammler.

Ich habe mich unbeliebt gemacht, schmiss man mich vorne raus, dann kam ich hinten wieder rein.

Zusätzlich zu dem hat der Carsten in einer ungeheuren Sammelaktion bei Freiwilligen Feuerwehren noch Spreizer, Ausbildungsmaterial wie eine Übungspuppe für Wiederbelebung und und und besorgt.

Was mich traurig machte, das war der Zustand der Geräte nach kurzer Zeit.

Als ich anfing, es sollte ein simpler Erste Hilfe Lehrgang sein, da bestand die FB Blantyre aus zwei alten Carmichel Tanklöschfahrzeugen, die am auseinanderfallen waren und einer Uralt-Drehleiter und einem alten Pick-Up.
Die Feuerwehrleute hatten eine Jacke, eine Mütze und einen Helm und Gummistiefel, das war es.
Die Rekruten versahen ihren Dienst in eigenen Privatsachen.

Willkommen war ich nicht, weil zu gleicher Zeit ein Praktikant aus Hannover da ein sehr schlechtes Bild abgab. Er hatte nur eines im Sinn: Herumzuhuren und dem Townclerk, einem Engländer fürchterlich auf die Nerven zu gehen.

Robin, der englische Stadtdirektor sagte es später mal ganz offen zu mir: „Klaus, ich dachte, ich müsste noch so einen ertragen!“

Ich erinnere mich noch genau an meinen Antrittbesuch: „Mr. B. wir werden für sie natürlich auch eine Fahrt an den See organisieren“ „Finde ich nett Sir (damals noch, kurz darauf: Robin und Klaus), aber mir läuft die Zeit weg. Viel wichtiger ist ihre Hilfe, wenn ich die im Dienst gebrauche. Dann muss ich die Erlaubnis haben, direkt bei Ihnen vorstellig zu werden“ Was ging da für ein Leuchten über sein Gesicht. Er, alter Feuerwehrmann der Kolonialzeit sagte nur: „Und genau so machen wir es“

Abschied, ich werde in die Stadtverwaltung eingeladen. Alle mit den typischen englischen Perücken, freundlich Worte für meine Arbeit. „Darf ich auch was sagen?“ „Natürlich!“

Ich habe von meiner Liebe zu dem Land gesprochen, habe versprochen, mich weiterhin um die Feuerwehr zu kümmern und ich war nach Margret Thatcher der erste Europäer, der vor diesem Parlament sprach. Der Beifall war frenetisch.

Ich habe viele persönliche unvergessliche Erlebnisse gehabt.
Welcher Durchschnittbürger kann erzählen, dass er fast einem Krokodil auf die Schnauze gesprungen ist, einem Flusspferd, dem wohl gefährlichsten Tier in Afrika entkam?

Ich erinnere mich, das ich in offenen Sandalen an das Lagerfeuer in einem Bushcamp ging, runterschaute und gerade noch sah, wie ein Skorpion den Schwanz zum Stich hob. Was bin ich hochgesprungen. Das wäre der Sprung für das Sportabzeichen gewesen!

Ich denke mit tiefer Sehnsucht an die Abende in diesem Buschcamp, an meine Rhinojagd (hier ging es darum, einen ausgebüxten Rhinobullen wieder einzufangen und später sah ich sogar einen TV-Bericht da drüber in unserem Fernsehen). Soll ich von den unvergesslichen Abenden auf der „Nkonde“, der Veranda im Club erzählen, wenn die Sonne unterging, wir mit unserem Sundowner saßen und den in den Bäumen herumtobenden Affen zusahen?

Den Besuchen bei Freunden, alten Expatriates, die immer von England erzählten und doch nie wieder dahin zurück kehren werden??

Ein altes Sprichwort sagt: „Africa is an addict“ (Afrika ist eine Sucht).
Wer jemals durch die Savanne fuhr, abends die klaren Sterne des Südens, den auf dem Rücken liegenden Halbmond sah, der ist in gewisser Weise verloren.

Ich habe dieses Land erlebt, als es noch das alte und echte und unverfälschte Afrika war, ich habe die Menschen in den Dörfern tanzen sehen. Nicht für Touristen, sondern aus purer Lebensfreude.

Aber ich habe auch meine Malaria und meine Hepatitis heim gebracht, ich bin schier verzweifelt an der Sturheit und Hilflosigkeit der Verwaltung und an der
grenzenlosen Eifersucht.

Sie haben es nicht gerne, wenn man ihnen zeigt, wie man es richtig macht.
Material hingeben ja, aber sagen, was man damit macht? Weniger gerne gesehen!

Ich habe die Feuerwehr reformiert, habe die Offiziere aus ihren Sesseln gejagt und Ausbildung machen lassen und habe einen sehr guten Oberbrandmeister zum Training Officer gemacht, und jedes Mal, wenn ich wieder zurück kehrte, - alles zurück. Der alte Schlendrian ist doch so viel besser..

Später habe ich für mein Tun das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten und bin in den Diplomatischen Dienst der Republik Honoris berufen worden.

Während der Weltausstellung, der EXPO in Hannover war ich persönlicher Berater des Botschafters und habe mit angesehen, wie die Damen auf dem Stand, beide Wissenschaftlerinnen von hoher Tüchtigkeit von einem absolut dummdreisten Delegationsleiter schikaniert wurden. Sein einziges Interesse galt einem Mercedes, den er mit nach Hause nehmen wollte.

Ich bin im Auftrage der Botschaft zu einem großen (sehr großen) hannoverschen Touristikunternehmen gegangen und habe Malawi die Möglichkeit verschafft, das Land touristisch zu öffnen.
Vergeblich, bis heute, zwei Jahre später ist nichts geschehen.
(Inzwischen ist es offensichtlich doch noch angelaufen)


Ich habe die Menschen im Lande verhungern, Kinder an den normalen Infektionskrankheiten, die bei uns mit ein paar Antibiotika in den Griff zu bekommen sind sterben sehen, ich bin in einem Bürgerkrieg beschossen worden und ich habe es erlebt, wie mir ein elender Verwaltungsmensch die in Deutschland gespendeten Gelder für eine Schule „abnehmen“ wollte.

Hier habe ich mich durchgesetzt, aber, da der deutsche sowie der malawische Botschafter plus die Zeitungen involviert waren natürlich bittere Feinde geschaffen.

Als ich das erste Mal in Malawi war, da herrschte der Präsident „Kamuzu“ Hastings Banda mit eiserner Hand und Malawi galt als das beste Land in Afrika.
Es hatte absolut sauberes Trinkwasser für alle, die Straßen waren voller Löcher, aber sauber und die Gesundheitsfürsorge war, den Verhältnissen entsprechend gut.
Dann wurde den Malawis die Demokratie aufgezwungen und die ganze Disziplin, der Fleiß waren dahin.

Ich breche hier keine Lanze für die Diktatur, ich habe es gehört, nicht gesehen, dass Opponenten den Krokodilen vorgeworfen wurden, aber Tatsache ist eines: Wer heute nachts unterwegs ist, der hat beste Chancen ausgeraubt und mehr zu werden. Gab es früher wirklich nicht.

Korruption, die Geisel der afrikanischen Wirtschaft. Früher zumindest in Malawi unmöglich, heute immens, auch wenn afrikanische Politiker nicht müde werden, zu versichern:
“No tolerance to corruption!“

Aber Vorsicht: Die Europäer sind es, die es ihnen vormachen. Wenn ein Betrieb in Deutschland bis 1999 „außervertragliche Zuwendungen“ steuerlich absetzen konnte, so sie im Ausland anfielen, dann sollte man mit diesem Thema etwas vorsichtiger sein.

Das Gleiche gilt für die Bürgerkriege. Ohne die Waffen aus Europa und den USA wären die gar nicht möglich, hier wird bewusst ein Markt geschaffen.
Dieses sagte mir ganz knallhart der Außenminister Lesothos auf einer Pressekonferenz während der EXPO, als ich in meiner Eigenschaft als Journalist fragte: „Honourable, was soll ich meinen Lesern sagen, wenn die afrikanischen Staaten immer um Hilfe bitten und wir auf den anderen Seite sehen, wie die Länder hochrüsten und sich bekriegen?“

Interessant übrigens, dass die best ausgerüsteten Armeen die der Rebellen sind.
Wer versorgt die? Wer steckt dahinter?

Interessant, wohl das falsche Wort, mehr: traurig, dass diese Kriege weltweit, nicht nur Afrika mit etwa sechs Millionen Kindersoldaten unter zwölf Jahren ausgefochten werden.

Ich selber habe es erlebt, auf einer Fahrt nach Lilongwe entlang der mozambikanisch/malawischen Grenze, dass plötzliche aller Autoverkehr stoppte. Was war passiert? Die RENAMO („Resistencia Nacional Mocambiquana) hatte die FRELIMO („Frente da Libertacao Mocambique“ ) (oder umgekehrt, ich weiß es nicht mehr) vor sich hergejagt, eine Partei war auf malawisches Gebiet vorgedrungen, sich dort auf einem Hügel verschanzt und über die Straße hinweg auf die bösen Feinde geballert.

Da kam dann die malawische Army mit Hubschraubern und hat die Kontrahenten ganz schnell wieder zurück gejagt.

Das Unglück vieler Staaten ist, (nicht Malawi), dass sie reich an Bodenschätzen sind. Alle Staaten, die Diamanten haben, Erdöl, der „Copperbelt“ des Kongos oder was auch immer sind ein Spielball der Weltmächte, ohne Chance, ihr Leben selber entscheiden zu können. Sie sind schlicht Beute, weit mehr als zur Zeit des Kolonialismus. Money Makes The World Going Around.

Malawi hat sich nebenbei nie eine übergroße Armee, trotz des Krieges in Mosambik gehalten. Drei Batallione Infanterie, ein Batallion Artillerie und eine kleine Flugstaffel mit reinen Transportfliegern und Hubschraubern.

Ich habe auch gesehen und erlebt, wie in den alten Tagen die Kinderlähmung dank wirklich rigider Maßnahmen aus dem Lande verschwand.
Wie man den Müttern versuchte, eine gesunde Kochweise beizubringen, etwas Geburtenkontrolle nahe zu bringen (Eine der Aufgaben meiner Edith)
und wie einmal die Woche die Kleinkinder richtig abgefüttert wurden, das war auch eine Seite der „Diktatur“.

Auch hier gut gemeint und doch falsch: Sie bekamen gute Milch, die sie gar nicht vertrugen. Sie kannten die nicht!

Geburtenkontrolle: Nach der Erfahrung meiner Frau wollen die Frauen, die auch noch die Hauptlast der Familienversorgung tragen müssen das absolut, aber die Männer glauben, dass sie Spott unterliegen, wenn sie nicht alle zwei Jahre Vater werden.

Ich habe auch erlebt, dass Malawi die Flüchtlinge aus Mosambik aufnahm, lange, bevor die UNO endlich wach wurde. In der Mitte Malawis gab es lange Zeit mehr Flüchtlinge als Malawis, drei Mal so viel, alle so gut es ging von Malawi unterhalten und versorgt.

Die Frage, warum die Afrikaner es nicht schaffen, sich aus eigener Kraft aufzuraffen ist nicht so einfach zu beantworten.

Einmal muss man sehen, dass diese Staaten durchgängig mit etwa fünf Prozent einigermaßen Gebildeten anfingen, aber das ist nun schon ein bisschen her.
Ganz wesentlich war die anerzogene „Nehmer-Mentalität“ des Kalten Krieges.
Sie brauchten alle nur bei den Großmächten Wünsche anzumelden, und sie bekamen alles, aber auch wirklich alles.. Wollte einer nicht, dann wurde angedeutet, dass man sich eben an die Amerikaner/Russen wenden würde und schon war es wieder da.

Das ist nun vorbei, und sie können nicht begreifen, dass ihre Schuldzuweisungen, wir (die Europäer) hätten sie einst unterdrückt nicht mehr ziehen.

Ich denke noch mit Grausen daran, dass die Feuerwehr lange Zeit nur ein einziges in Auflösung begriffenes Tanklöschfahrzeug hatte (das zweite war inzwischen auseinandergefallen), ich ihnen ein TLF besorgte und sie aufforderte, es zu verschiffen. Das dauerte dann sage und schreibe neun Monate und erst als ich dem Botschafter klar machte, dass ich mich um weitere Hilfe nicht mehr kümmern würde wurde es in Angriff genommen.

Was ihnen abgeht, dass ist ein Gemeinschaftsziel und das Bewusstsein, dass sie in ihrem Beruf zuerst einmal dienen.
Der Stolz, der einem deutschen und auch englischen Feuerwehrmann selbstverständlich ist, sein Gerät zu pflegen und in Stand zu halten ist dort fast völlig unbekannt. Ein Fahrer tankt und fährt, alles Andere interessiert ihn kaum, es sei, er hat einen Chef, der ihn in den Hintern tritt.

Es gibt gute, ja sogar sehr gute Leute dort, welche die Dinge sehr klar sehen, aber sie werden sofort weggebissen, wenn sie versuchen, durch Pflichterfüllung die Dinge zu ändern.

Das Kapitel „Stammeszugehörigkeit“ ist ein sehr düsteres, auch heute noch.
Es wird genau so vehement bestritten wie es wahr ist.
Ich habe einen sehr guten Offizier an den Norden verloren, nur weil er dem falschen Stamm angehört.

Wer in Afrika eine gewisse Position hat, der verbringt einen großen Teil seiner Zeit damit, Versuche abzuwehren, die ihn von seinem Posten verjagen sollen.
Warum? Ist es die Armut, die zu solchen Exzessen treibt? Die Menschen so egoistisch hält? Ist es Unwissen und mangelnde Bildung??
Das Verharren in alten Traditionen?? Mit Sicherheit alles zusammen.

Wie grausam Traditionen sein können folgendes Beispiel: Wenn der Ehemann stirbt, dann kommen die Brüder des Mannes oder seine Sippe und nehmen der Frau alles, aber auch alles weg. Sie muss mit dem, was sie auf dem Leibe trägt das Haus verlassen. Was aus ihr wird, das interessiert keinen.

Ich habe einen Politiker erlebt, der während der großen Hungersnot auf mich zukam und mich bat, für ihn Mais zu spenden, er wolle den in seinem Distrikt verteilen. Aber nicht aus Mitleid. Er sagte es ganz offen: „Ich will doch wieder gewählt werden!“

Hexerei und finsterster Aberglaube bestimmen trotz der übergroßen Religiosität das Leben auf dem Lande. Das jemand seinen Nebenbuhler vergiften lässt ist an der Tagesordnung, aber sehr viel perfider ist die Hexerei, bei der jemand „verflucht“ wird. Diese Hexerei funktioniert wirklich, weil die Verfluchten daran glauben.

Die afrikanischen Politiker wissen dieses alles sehr wohl. Nicht umsonst sind heute sehr viele Stellen, die gediegenes Fachwissen verlangen, mit Europäern oder Japanern besetzt. Amerikaner seltener, die kümmern sich mehr um Erdöl und andere schöne Dinge.

Der Politiker, der in seiner Zeit nicht reich wird, der gilt als Versager
Auch in dieser Hinsicht war der „Alte“, der Ex-Präsident in gewisser Weise ein Segen für sein Land. Er war ein Mann, der sein Volk wirklich liebte und versuchte, auf seine umstrittene Weise dieses in die Neuzeit zu führen. Er versuchte mit uns heute lächerlich anmutenden Befehlen, Traditionen mit modernem Leben zu verbinden. So durften Frauen grundsätzlich keine Hosen tragen, wer am Flughafen ankam und Haare hatte, die über den Kragen fielen, der landete, noch bevor er durch die Passkontrolle durch war beim Friseur. Das Gleiche mit Jeans mit umgeschlagenen Beinen.

Das war das eine, das andere aber war die viel gepriesene (und heute verdammte) Selbstversorgung. Jeder Familienvater musste einen Garten haben und den auch pflegen. Jedes Jahr einmal fuhr der „Kamuzu“ (heißt übrigens wirklich „Führer“) über Land und sah sich das an. Da seine Reise ein absolutes Staatsgeheimnis war, wusste keiner, wo er auftauchen würde.

Auch er war reich, das ist wohl wahr, aber sein Geld lag nicht in der Schweiz.
Er investierte in einer eigenen Ladenkette („People Trade Shop“, eine Art Konsum), baute von dem Geld eine Universität und war an anderen Unternehmen im Lande beteiligt.

Interessant: Der Respekt zu ihm war so hoch, dass er nach der Revolution schlicht abgesetzt wurde, und das war es.. Er lebte lange noch in der Staatsresidenz mit seiner State Hostess „Mama“ Kadzamira. Verheiratet war er nicht.

Die „State Hostess“, eine ehemalige Krankenschwester des Kinderarztes Banda war praktisch die Vertreterin und auf jeden Fall die Beraterin des Präsidenten.
Seine Partei hatte sehr große Chancen, auch bei der ersten wirklich freien Wahl zu gewinnen. Dass es letztendlich nicht klappte, das lag an dem Onkel der State Hostess John Tembo, welcher der Verantwortliche war für all die Scheußlichkeiten, die wirklich passiert sind. Er war ein Schlächter!

Diese Wahl übrigens war wirklich frei, anerkannt keine Schweinereien und kein Druck auf irgend jemand. Sie hat keinerlei Vergleich zu den „Wahlen“ in anderen afrikanischen Staaten.

Zur Zeit des Schreibens läuft die Wahl in Zimbabwe, der Präsident Mugawe versucht, sich mit allen Mitteln des Terrors an der Macht zu halten und Südafrika, in einer völlig falsch verstandenen Rassentoleranz unterstützt ihn dabei.
Dieses Land ist im Chaos versunken, es musste darin versinken.

Die weißen Farmer, die etwa 10 Prozent der Farmen besaßen produzierten über 90 Prozent der benötigten Produkte. Der hervorragende Tabak zum Beispiel brachte einen großen Teil der Divisen ein.

Aus und vorbei, die Landwirtschaft liegt am Boden, die Leute, die so gerne „Heil Mugawe“ schreien sind schlicht am verhungern. Dieses in einem Land, in dem Milch und Honig fließen könnten.
HIV, diese Geißel Afrikas wird den Kontinent leer fegen, wenn nicht etwas durchgreifendes geschieht. Aber was soll geschehen?? Der südafrikanische Präsident Mbeki leugnet vehement die Gründe für diese Pandemie. Entschuldigung: Es seien die sozialen Probleme und diese sind durch die reichen Weißen hervorgerufen.

Seine Gesundheitsministerin, „Doktor Rote Beete“ behauptet allen Ernstes, man könne diese Pandemie durch das Essen von Knoblauch und Roter Beete in den Griff bekommen

30 Prozent HIV in Malawi, eine von mir oft besuchte Gegend ist mit fast 80 Prozent befallen. Die Zahl der AIDS-Waisen ist Legion, viele von ihnen selber schon im Mutterleib infiziert.

Eine südafrikanische Ärztin erzählte mir, dass die WHO, die Weltgesundheitsorganisation damit rechnet, dass Afrika in etwa 25 Jahren auf 25 Prozent seiner Population herunter sei.

Das Sexualverhalten der Afrikaner ist ein völlig anderes als das unsere.
Es gibt ein Suaheliwort: „Das erste Kind gebäre dem Freund, das zweite dem Mann“ Das ist völlig normal.

Dieses Schicksal macht die Afrikaner in gewisser Weise lethargisch.
Sie betrachten es als unabänderliches Schicksal, trotz der Versuche der Regierungen, das Ruder herumzureißen.

Zwei Feuerwehrchefs, von mir in Hannover ausgebildet, versterben fast unmittelbar nach ihrer Rückkehr. Da kommt einen unwillkürlich der Eingangsspruch in den Sinn.

Jedes Mal, (fünf Mal), wenn ich in dieses Land, welches ich so liebte zurückkehrte, dann konnte ich sehen, dass es wieder ein wenig schlechter wurde - und immer waren die Anderen schuld.

Die Anderen sind AUCH Schuld, Afrika ist Beute, aber der Wille, die Dinge wirklich zu ändern, der fehlt einfach.

Ich sehe es so: Man hat die Afrikaner entwurzelt. Sie versuchen die Weißen zu imitieren und merken gar nicht, dass sie Wanderer zwischen den Welten sind.

Sie suchen Investoren, aber wer geht dahin, wenn er riskieren muss, dass bei einer starken Geldabwertung sein Konto kurzerhand eingefroren wird?

Die andere Seite: Wovon sollen sie die teuren Geräte bezahlen, wenn ihnen nicht einmal die Rohstoffe gehören?

Alle Diamantminen, Erze und andere Ressourcen sind in amerikanischer oder englischer Hand, Tee und Tabakplantagen gehören alle europäischen Gesellschaften.
Reiche Länder wie Nigeria werden bewusst heruntergewirtschaftet, um billig an das Öl zu kommen und so weiter.


Wenn ich an Afrika denke, dann kommt mir unwillkürlich die südafrikanische Nationalhymne in den Sinn:
“Nkosi sikile l’Afica“ = „Gott schütze Afrika“



Eine grenzenlose Klage wohnt in mir!


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AutorMarc8 M.8, Heidenheim a. d. Brenz / Baden-Württemberg546577
Datum04.03.2009 12:002276 x gelesen
Hallo Klaus,

sehr interessant geschrieben. Dein Bericht zeigt auch, wie komplex das Thema ist und das es "einfach mit mehr Geld" nicht getan ist.

Den traurigen Zustand gespendeter Fahrzeuge kann ich teilweise auch aus Osteuropa bestätigen.
Wenn da manche Kameraden wüssten, wie ihre dorthin gespendeten alten Schätze mittlerweile aussehen und "gepflegt" werden...
Wobei es auch positive ausnahmen gibt.

Es sind eben andere Mentalitäten. Deswegen sind die dortigen Kameraden keine schlechteren Menschen, aber die Mentalitätsunterschiede sind eben gewaltig, da liegen manchmal Welten dazwischen.

Deswegen geht es auch regelmäßig schief, wenn man diesen Menschen einfach unser Modell überstülpen möchte.
Man muss die Menschen fördern, aber auch fordern.
Ihren Weg finden müssen sie alleine. Der Weg Europas, bis dahin wo wir jetzt stehen, war auch lange und blutig genug. Leider.


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AutorVolk8er 8L., Erlangen / Bayern546585
Datum04.03.2009 12:172186 x gelesen
Das Fazit aus dem Beitrag von Klaus ist, dass man letztendlich europäisches Denken und Handeln nicht in andere Kulturen verpflanzen kann.

Unsere heutige Sicherheitskultur und Infrastruktur ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Evolution. Stadtbrände, Seuchentragödien etc. etc. Erst als man in Mitteleuropa erkannte, dass Jammern und Wehklagen nicht hilft und dass man selber "anpacken" muß besserten sich langsam die Verhältnisse. Dieses "Schlüsselerlebnis" liegt in deustchland ca. 150 jahre zurück.

In anderen Kulturkreisen hat es dieses Schlüsselerlebnis bisher noch nicht gegeben. Also kann unser System dort nicht funktionieren, weil die innere Erkentnis dort noch fehlt. Alle Versuche der gutgemeinten Hilfe a la Klaus et.al. werden dann immer wieder die gleichen Frustergebnisse liefern.


Bestenfalls in europäsich denkenden Enklaven kann man dort wohl lokal extrem begrenzt versuchen sich unseren Minimalsstandards anzunähern. Also quasi über das Umfeld von Missionsstationen etc. etc..... Erst wenn über Generationen dort die Bevölkerung erkennt und umsetzt das praktische Selbsthilfe erforderlich ist und wirksam ist wird es zaghaft funktionieren.

Klaus hat mir mal privat berichtet, dass ein weiteres Grundübel dort der allgegenwärtige "Neid" ist.

Wir hier in Europa haben eine mehrere Jahrhunderte lange kulturelle Evolution hinter uns. Vom primitiven Feldbauern des Frühmittelalters über Rennesciance und das Zeitalter der Aufklärung, der industriellen Revulotion etc. etc. Und dort in Schwarzafrika? Dort ist man noch immer bei Stammestrukturen und der technsichen Kulturstufe der Machete als Universalwerkzeug resp. der einfachen Bodenhacke - gepaart mit modernen Schnellfeuergewehren und verbeulten Pick-Ups...


..natürlich gebe ich hier nur meine ganz persönliche Meinung kund...

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AutorKlau8s B8., Isernhagen / Nds546618
Datum04.03.2009 16:392056 x gelesen
Geschrieben von Marc MaierDeswegen geht es auch regelmäßig schief, wenn man diesen Menschen einfach unser Modell überstülpen möchte.
Man muss die Menschen fördern, aber auch fordern.
Ihren Weg finden müssen sie alleine. Der Weg Europas, bis dahin wo wir jetzt stehen, war auch lange und blutig genug. Leider.


Hallo Marc,

Du hast es auf den Punkt gebracht: Die Leute fordernd zu fördern, ohne gegen ihrer Traditionen zu arbeiten.

Diese Gratwanderung ist außerordentlich schwierig und der Hauptgrund dafür, dass die meisten
Projekte "wenig erfolgreich " sind.

Es gibt Organisationen, dazu gehören die großen Kirchen, die das meisterhaft beherrschen und dann gibt es leider auch Entwicklungshilfeorganisationen, die ganz eindeutig politische Ziele haben.

Ganz schlimm war das von J.F. Kennedy gegründete und CIA-unterwanderte "Peace Corps" mit einer eigenen Fluglinie ("US-Aid")
(Ähnlich der in S.O.Asien berüchtigten "American Airways")

Diese Leute haben die Hilfe für die Afrikaner stark von Wohlverhalten abhängig gemacht, ganz bewusst eine Art Erziehung in Richtung Coca Cola -Kultur hin betrieben.

Entwicklungshilfe ist ja auch das große Geschäft.
Sicher, die Leute vor Ort sind in der Regel "Volunteer", die dass fast für umsonst und im besten Glauben machen,
aber wenn man gedenkt, dass die ach so tollen und freigiebig verteilten Geräte kaputt gehen, dass dann Ersatzteile gekauft werden müssen, Begehrlichkeiten nach "mehr und besser" erzeugt werden, dann kommt man zu einer sehr nüchternden Betrachtungsweise.
(Um es hier ganz klar zu sagen: Die Motivation Hannovers war eine Städtepartnerschaft, die auf das Engagement eingier Gewerkschaftler und einer SPD-Ratsherrin zurück geht.

Mir diesen amerikanischen Methoden wird viel kaputt gemacht und so gut kann weder die GTZ noch die "Ärzte ohne Grenzen" arbeiten, als das der Schaden da wieder aufgefangen werden kann..


Ich habe meine Erfahrungen mit der UNHCR gemacht ("United Nation High Commission of Refugees/Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen)

Das war teilweise mehr als bitter.
Die Mitarbeiter waren zum großen Teil (jedenfalls noch im Anfang, bis sie ernüchtert wurden) echte Idealisten, die in einem Bürokratismus nach Regeln des Tausende von km entfernten Planungsbüros arbeiten mussten..

Die politischen Verhältnisse in Malawi sah man in Hannover sehr kritisch, ich habe mich da lange mti den entsprechenden Leuten unterhalten, aber ganz klare Weisung: "Pollux, halt die Fr... , wenn es um Politik geht.."
Und da habe ich mnich dran gehalten, sonst wäre ich schneller aus dem Lande gewesen (einmal politisch dumm aufgefallen und man war ein "permitted immigrant" und hatte das Land innerhalb eines oder zweiter Tage, je nach Schwere zu verlassen)
Nun, ist mir nicht passiert (auch wenn es einmal etwas knapp war. Da hat mich ein deutsch sprechender Südafrikaner noch schnell in den Popo getreten und ich wusste, was die Glocke geschlagen hat)

Die damaligen G5-Länder (oder waren es noch g4? Weiß nicht mehr) haben das Land in das Unglück gestürzt, als sie schlagartig alle Hilfen unterbanden, nur, weil es nicht ihrem Verständnis westlicher Demokratie entsprach. (Letztendlich der Grund für den Bürgerkrieg, kurz und heftig).

Wenn ich heute einen angehenden Entwicklungshelfer einen guten Rat mitgeben müsste: Lass die Dinge nicht zu dicht an Dich heran.

Natürlich soll er Mitleid haben, sonst braucht er nicht raus zu gehen, aber er darf nicht -ich weiß, wovon ich rede- in das Helfersyndrom verfallen und sich alle Probleme der Welt auf seine Schultern laden.

Er muss Selbstschutz betreiben, denn er hilft keinen, wenn er mit einem psychischen Knacks ausgeflogen werden muss.
(Nein, ist mir nicht passiert, obschon der Leidensdruck ungeheuer war..)

Dankbarkeit kann er nicht erwarten. Der beste EntwHelfer ist der Mann (die Frau), die ganz knallhart sagt: Das ist meine Arbeit, die ich leisten kann und muss - und mehr geht nicht

Gruß
Klaus


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 04.03.2009 08:01 Klau7s B7., Isernhagen
 04.03.2009 12:00 Marc7 M.7, Heidenheim a. d. Brenz
 04.03.2009 12:17 Volk7er 7L., Erlangen
 04.03.2009 16:39 Klau7s B7., Isernhagen
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