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1. Freiwillige Feuerwehr
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Fachberater
Rettungstransportwagen
(Altfahrzeuge nach DIN 75080, heute nach DIN EN 1789 Typ C)
Umfangreiche medizinische Ausstattung.
Zum Transport von Notfallpatienten vorgesehen gemäß RettG NW.
Berufsfeuerwehr
DIN Deutsches Institut für Normung e. V.
Tragkraftspritze
Tragkraftspritze
RubrikFeuerwehr-Historik zurück
Thema'Wer ist Carsten?'1 Beitrag
AutorKlau8s B8., Isernhagen / Nds543461
Datum15.02.2009 18:35      MSG-Nr: [ 543461 ]4863 x gelesen

Hallo Freunde,

dieses ist eine Homage an einen Kollegen und Kamraden einer FF, der mir in Afrika unglaublich geholfen hat-
Es ist der erste Teil der Geschichte, der Rest folgt etwas später (will keinen ermüden)

Bitte seht es nach, wenn da sehr viel von deme land selber drin steht, was nicht unbedingt "Feuerwehr" ist, aber es ist einfach wichtig, um die Dinge im richtigen Licht zu sehen ..

Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der solche Dinge "getrieben" hat, ich erinnere hier an den Bericht (verlinkt) vom OLE, den er vielleicht doch noch mal als Link hier einstellen sollte.

Vielleicht gelinkt es mir ja , noch den Einen oder Anderen zu animieren, auch auf dem Gebiet tätig zu werden oder aber es gelingt, auch von Anderen entsprechende Erfahrungen "zu locken"

Einen frohen Abend
oder wie man da unten sagt" Ndapita Bambos i Mais"


Wer ist Carsten ?
=================
Francis, und ich stehen auf der Aussichtsplattform des Flughafen Lilongwe/Malawi, wir warten auf meinen „Assistenten“ Carsten.
Es ist wieder mal wieder brüllend heiß, die kalten Tage, und hier meine ich wirklich „kalt“, sind vorüber..

Kälte in Afrika?? Im September? Oh doch, das gibt es.. Blantyre liegt relativ hoch, auf etwa 700 Meter, eingebettet in vier die Stadt umgebene Berge.

Abends ist ein dicker Pullover obligatorisch, und leider jetzt auch am Tage. Temperaturen um die 15 Grad sind nachmittags keine Seltenheit. Ich bedaure die armen Afrikaner, die nur mit ihren Kleidungsfetzen herum laufen, keine Schuhe oder aber selbstgebastelte Sandalen aus alten Autoreifen an den Füssen haben.

Strümpfe sind Fehlanzeige, Feuerholz gibt es nicht, Holzkohle ist unerschwinglich.

Es herrscht wieder einmal Hunger im Lande, aber das kenne ich schon gar nicht anders.. Man verschließt sein Herz, was soll man auch machen?

Ich habe Carsten einige Faxe geschickt mit Wünschen, was er in Hannover zu veranlassen hätte und was er für sich tun solle.

Es ist sein erster Afrikaaufenthalt und man kann ihm ja die kleinen Anfängerfehler ersparen.
Gute Ratschläge, wie oft habe ich es erfahren: der Mensch dachte, doch Gott lachte.

Unter anderem empfehle ich ihm, so wie ich es immer mache, in Uniform zu fliegen und vor Allem den warmen Dienstpullover nicht zu vergessen..

Carsten fragt zwar zurück, ob ich das wirklich so meine, aber er geht davon aus, dass ich weiß, was ich da sage.

Francis ist der Chef der Fire Brigade, er hat dieses nicht zuletzt meiner Fürsprache zu verdanken. Der ehemalige Chef ist kurz zuvor verstorben, HIV hat es wieder einmal geschafft.

Das, nachdem er gerade vorher durch mich begleitet ein Praktikum in Hannover absolvierte.

Meine Hoffnung auf eine durchgreifende Besserung in diesem Lande, dieser Feuerwehr, ist teilweise gering, aber: „We never give up!“

Am frühen Morgen sind der Francis und ich losgefahren, zwei Kanister Sprit auf den Pick Up geladen, meine Edith hat mich und auch den Francis mit Proviant versorgt (Woher sollte er es sonst haben?), einen Gutschein der Stadtverwaltung für ein Essen im Restaurant habe ich auch losgeeist, dann ab auf die Piste, eine Tour von 340 km.

Es ist das, ich weiß nicht wievielte Mal, dass ich diese Strecke fahre, aber dieses Mal fehlt etwas ganz Wesentliches: Die kilometerlangen Siedlungen der Flüchtlinge aus Mozambik. Der Krieg ist endlich zu Ende, die Regierung Malawis, die mit der sehr spät begonnenen Hilfe der UNO dreimal mehr Flüchtlinge als in diesem Landstrich wohnende eigene Staatsbürger versorgt, hat die „refugees“ (Flüchtlinge) zur Rückkehr in ihr Land aufgefordert.

Francis und ich sind auf alle Überraschungen gefasst, nicht nur plötzlich vor den Wagen laufende Ziegen sind hier die Gefahr, nicht nur die Leute, die in der Art der Kamikazes fahren, vielmehr sind Überfälle an der Tagesordnung.

In der Nähe von Mangochi, direkt am See gelegen, hat es gerade die Tage zuvor einen Zwischenfall gegeben, bei dem ein Entwicklungshelfer erschossen wird, zwei weitere angeschossen und ausgeraubt, - und das am hellen Tage, mitten auf der Strasse. Vorgetäuschter Autounfall, die Leute steigen aus, um zu helfen, und schon schießt einer der Räuber ohne weitere Warnung.

Malawi windet sich unter den Geburtswehen einer gerade installierten Demokratie, von der jeder glaubt, dass sie ihm jetzt nicht nur Freiheiten, sondern auch Reichtum und zumindest einen leichten Wohlstand bringen würde.

Tausende von abgemusterten Soldaten der Bürgerkriegsparteien Frelimo und der Renamo sind aus Mosambik unterwegs, machen blitzartige Überfälle in Malawi und verschwinden mit einem Sprung über den Straßengraben, der die Grenze markiert.

Dazu kommen die verjagten „Jungen Pioniere“ des alten Regimes, die teilweise ihre Waffen mit in den Busch genommen haben.
Die Polizei ist absolut machtlos, wird sie gerufen, so wird man aufgefordert, ihnen ein Taxi zu schicken, da sie keinen „Transport“ hätten.

Die Bürger des Landes sind „fed up“ mit der Situation, erwischen sie einen Dieb, ich habe es selber erlebt!, so wird der mitten in der Stadt mit Benzin übergossen und angesteckt, als deutliche Warnung an alle Anderen.

Dieses ist also die Situation, als wir die Strasse entlang fahren, immer wieder vorbei an Anhaltern mit dem in den Wind gehaltenen Daumen. Kommt nicht in Frage, wir halten nicht an!

Mir brennen die Augen, der leichte, feine Flugsand, der durch das geöffnete Fenster weht, hat sie mal wieder entzündet. Dieses war eines meiner Probleme, wenn ich über Land fahre, immer und immer wieder.

„Da kommt er!“, Francis zeigt aufgeregt gen Norden, wo die Maschine aus Dar-es-Salaam einschwebt. Ich habe es nicht mitbekommen, neben mir steht eine reizende und charmante Malawi und da ich ein freundlicher Mensch bin, muss ich ihr natürlich ein paar nette Worte widmen.

Die Maschine rollt auf die „parking area“, die Rolltreppe wird herangefahren, wir schauen, wer da nun herunter steigt.

Ich glaube es nicht, ich traue meinen Augen nicht, mein Carsten steht da, wirft einen traurigen Blick zu uns nach oben gen Plattform. Ich hatte das Gefühl, dass ihn Mordgedanken bewegen, denn offensichtlich hat ihm die Hitze eine schallende Ohrfeige versetzt.

Carsten steht da, im Einsatzanzug der Feuerwehr Hannover (damals allerdings ähnlich den Arbeitsanzügen der Bundeswehr, nicht die heutigen NOMEX-Kleidungsstücke), Jacke unter dem Arm und den dicken Pullover angezogen. Ich beiße mir auf die Lippen, um nicht laut loszuplatzen, Francis ist weniger zurückhaltend, er lacht laut auf.

OK, da ist er nun, also runter zum Ausgang, denn Carsten muss jetzt erst einmal durch den Zoll und die Immigration, und das dauert erfahrungsgemäss. Mit Formalitäten haben es die Afrikaner!

Ja, was soll ich erzählen?? Als er dann durch die Tür marschiert, lege ich gleich erst mal so los, dass er gar nicht dazu kommt, seine Entrüstung auszudrücken. 32 Grad im Schatten und dann diese Kleidung, das Ganze nach einer 27 Stunden Reise, da sagt man schon mal etwas, was einem hinterher reut.

„Los, raus jetzt, wir fahren erst mal etwas essen!“ „Geht nicht, wir müssen erst zum Zoll!“ „???“

Carsten hat in Deutschland „geräubert“, er hat herum telephoniert, das Klagelied der armen Kollegen angestimmt, und ist beim Roten Kreuz fündig geworden. Zwei Puppen zum Üben der Wiederbelebung in Koffern, Schautafeln und anderes Material sind als sogenanntes „unbegleitetes Fluggepäck“ mitgekommen und müssen am Zoll ausgelöst werden.

Das Problem bei Flugreisen ist ja das Gepäck. Jedes Kilogramm Übergewicht kostet 1% des Preises der Ersten Klasse, Carsten hatte locker 50 Kilogramm dabei.

Es gibt die Möglichkeit, dieses als Fracht in der gleichen Maschine mit zu nehmen, das ist dann ein Bruchteil des Preises des normalen Gepäckes. Nur: Es wird eben wie jede Fracht vom Zoll deklariert..

Jetzt wird die Zeit sehr knapp, wir müssen noch einmal die 340 Kilometer zurück und die im Dunkeln zu fahren ist nicht meine Absicht.

Egal, erst einmal essen gehen, ein sehr gutes Restaurant, Carsten bekommt von mir kurzerhand das Malawische Supergericht „Tschambo“ bestellt. Tschambo ist eine Barschart aus dem Malawisee, wohl eines der besten Fischgerichte der Welt überhaupt.

Ich weihe Carsten erst einmal im Schnelldurchgang in die Gegebenheiten ein, das Ganze in Deutsch, Francis muss da nicht unbedingt meine Meinung kennen und weiter geht es..

Die Fahrt verlangsamt sich etwas, Carsten, überwältigt von der Schönheit und der Eigenart dieses ur-afrikanischen Landes muss alle 15 Minuten eine Fotopause haben. Ich sehe Francis an, der sieht mich an, wir sitzen auf heißen Kohlen, aber was sollen wir machen??

Es ist noch hell, einen kurzen Stop gibt es noch, als der vor uns fahrende Wagen voll in eine plötzlich über die Strasse laufende Ziege fährt, aber wir nähern uns jetzt langsam dem Ziel.


So ca. 20 km vor Blantyre geht die Benzinanzeige gegen Null, der Reservekanister war schon lange leer. „Reg Dich nicht auf, da kommt bald eine Tankstelle“, Francis kennt mich, er sieht meine Unruhe.

Die Tankstelle kommt auch, aber keiner war da, der uns Benzin hätte verkaufen können. Dieses ist eine dieser traurigen Geschichten, typisch für die Zeit: Der Tankwart ist ca. zwei Wochen zuvor bei einem Überfall erschossen worden.

Jetzt allerdings wird es eng und auch Francis wird stiller. Carsten schlief auf dem Rücksitz, den kümmerte das alles nicht mehr
.
Francis fährt langsam und gleichmäßig und ich helfe dabei, in dem ich die Schultern rhythmisch zusammenziehe und langsam atme.

Was soll ich sagen: wir schaffen es tatsächlich bis zum Hotel, Francis fährt zur Wache und rollt dort mit durchgetretener Kupplung vor das Gebäude. Der Wagen muss von der Wachbesatzung in die Garage geschoben werden.

Meine Edith empfängt uns in der Hotelhalle, sie nimmt mich erst einmal in den Arm, denn sie weiß genau um die Unwägbarkeiten solcher Fahrten.

Wer ist denn nun dieser Carsten, welche Gründe haben ihn nach Afrika getrieben?

Machen wir einen Sprung von etwa zwei Jahren zurück, ich verrichte meinen Dienst auf der Wache Drei und wir bekommen wieder einmal eine Gruppe von Anwärtern zur Betreuung.

Wenn eine Anwärtergruppe einen bestimmten Ausbildungsgrad erreicht hat, die Grundausbildung und die ersten Sonderlehrgänge wie Drehleiterlehrgang, Sonderfahrzeuge, meistens auch den Atemschutzgerätelehrgang hinter sich gebracht, dann werden die Leute aufgeteilt und auf den Wachen auf ein extra Fahrzeug gesteckt, um dort unter Leitung eines erfahrenen Ober- oder Hauptbrandmeister zu den Feuern mit zu fahren. Sie können dort auch mithelfen, aber nur bis zum Verteiler.

Die Einsatzstelle als Arbeitsgebiet ist tabu. Dieses hat seine Gründe in dem beamtenrechtlichen Status. Diese Anwärter haben von der Besoldung her die geringste aller möglichen Pensionen und man will verhindern, dass die unerfahrenen Leute dort so verletzt werden, dass sie unter katastrophalen Folgen ausscheiden müssen.

Hier hat der eingeteilte Fahrzeugführer strikt drauf zu achten, aber genau so wichtig ist es an sich, dass er die Leute tagsüber auch ausbildet und betreut, und da hakt es mitunter.

Es gibt Kollegen, die stellen sich morgens vor die Gruppe: „Mein Name ist xxx, verzieht euch in die Ecke, lasst euch nicht sehen, wir treffen uns dann beim Alarm!“

Solche Dinge habe ich nie getrieben, mir hat es sogar Spaß gemacht, mit den Leuten zu arbeiten, dieses allerdings mit Ausnahmen.

Die Gruppe dieses Morgens allerdings macht einen sehr guten Eindruck, sie sind schon, als ich von der Diensteinteilung zu ihnen stoße, dabei, das Fahrzeug zu überprüfen.

Klasse, bis zum Frühstück ist es eine knappe Stunde. Das ist zu wenig, um größere Dinge zu beginnen, also machen wir Fahrzeugkunde und dann? Was wollen wir dann machen??

Die Leute wissen am besten, wo es hakt, warum soll ich mir was ausdenken, die sollen mir sagen, was wir üben wollen! (Das birgt natürlich die Gefahr in sich, dass Schlitzohren etwas nennen, was sie aus dem ff beherrschen und so einen schönen gemütlichen Tag verbringen. Das aber merkt der Ausbilder ziemlich schnell) „Schaumübung!“ Hmm, warum nicht?? Erst einmal bemerke ich einen Kollegen, lang, rothaarig, dass man gewillt ist, an einen „Feuerkopf“ zu glauben und offensichtlich sehr gut, was die Materie betrifft. Klappe?? Na ja, ging so.

Die Schaumübung wird dann auch ein Ding für sich: Wir fahren auf ein riesiges Brachgelände direkt in der Nähe unserer Wache, ich melde mich auf der Einsatzleitstelle an, und höre am Funk, dass der Kollege meinen Geisteszustand anzweifelt.
„Wollt Ihr Ärger mit den Grünen bekommen? Die hauen euch sofort einen wegen der Umweltsünden über“

Es ist zum Verzweifeln: Können muss es der Feuerwehrmann, nur üben darf er es in Deutschland nicht. Ich bin es so leid, so unendlich leid.“ OK, machen wir eine nasse Angriffsübung!“

Ich kann den Kollegen durch das Funkgerät grinsen sehen, Wasser geht, seinen Spruch hat er aufgesagt und wenn da Schaumreste im Schlauch sind, wer kann da was dafür??

Es gibt Möglichkeiten, mit Schaum zu üben (der übrigens völlig harmlos ist, der gleicht fast haargenau der flüssigen Seife oder den Spülmitteln!).

Man kann zum Beispiel nach Frankfurt fahren und dort auf der amerikanischen Airbase üben, man kann nach Holland fahren, um dort zu lernen, wie man Extremfeuer bekämpft, man kann neuerdings auch zur Marine fahren, die Trainingscamps für Schiffsbrände haben, nur: Bei der Feuerwehr, da kann man das nicht oder nur sehr eingeschränkt!

In einer Zigarettenpause komme ich mit dem „Barbarossa“ (er war etwas unrasiert und ich konnte feststellen, dass ein Bartwuchs ebenfalls rot war) in das Gespräch und erfahre so einiges Erstaunliches: Er ist Mitglied einer großen Freiwilligen Feuerwehr, (AHA!), Stellvertretender Zugführer und von Beruf her Elektriker und Berufspilot!

Hier ein staunendes „Wie das denn??“, denn der Wechsel von dem Beruf zu dem unsrigen erscheint mir doch nicht so ganz normal.

Er fliegt noch immer bei einer privaten Fluglinie Europaverkehr mit dem Cityhopper und muss jedes Jahr seine Lizenz zumindest beim Amtsarzt überprüfen lassen und eine gewisse Anzahl an Starts und Landungen nachweisen, um seinen Kontrakt verlängert zu bekommen.

Das geht eine Reihe von Jahren gut, aber wenn es da Probleme gibt, dann sitzt man auf der Straße. Also wird das Hobby (Freiwillige Feuerwehr) eben zum Hauptberuf gemacht. Dass er freiberuflich weiterhin alles tut, um seine Anzahl an Flugstunden zu erhalten versteht sich von selber.

Hier muss ich mal so schändlich lachen. Fragt mich ein Amtmann: „Sag mal Klaus, dass die Kollegen Taxi fahren, das wissen wir ja alle, aber kann es sein, dass ich Sonntag nach Amsterdam fliege und vorne schaut ein Kollege aus dem Cockpit?“
Doch, absolut möglich!

Mir schießt es durch den Kopf: DAS wäre doch der Mann, nach dem du immer gesucht hast?? Für mich stand nach all den Jahren Arbeit mit der Dritten Welt unumgänglich fest, dass ich das nicht mehr alleine machen kann, es geht an die Substanz und ich will es nicht mehr, nicht mehr unter den bisherigen Bedingungen!

„Haste Lust, da mitzuspielen?“ „Klar, wenn ich im Wachdienst bin!“ Das allerdings ist Vorraussetzung, aber bereits in greifbarer Nähe.

Erst einmal setze ich ihn (er war jetzt auf der Wache Vier im Wachdienst) an ein gebrauchtes Tanklöschfahrtzeug, DDR-Marke IFA, welches ich aus Berlin „besorgt“ habe.

Das Ding soll dringend nach Malawi verschifft werden, die Absprache ist: Ich besorge euch ein Fahrzeug, und ihr verschifft das. Hintergrund: Bei allen Dingen, die ich für die besorgt habe, da habe ich immer eine Grundbedingung gesetzt: Die sollen etwas, was sie leisten können, dafür tun. Leisten können sie die Verschiffung, die sich im Rahmen 3000 Euro belief.

Dass das eine der endlosen Geschichten wird, die mich regelrecht krank gemacht haben, dass kann ich damals nicht ahnen.

Blantyre, damals schon ca. eine Mill. Einwohner, hat zu dem Zeitpunkt EINEN alten Carmichel-Tender, das ist es!

Zuvor habe ich bereits einen Rettungswagen und einen Krankenwagen erbettelt, die vor Ort guten Dienst versehen.

Später kommen dann ein Rüstwagen, der noch in Dar-es Salaam leer gestohlen wird und ein Pulver-Tanklöschfahrzeug dazu, aber vorerst ist da nichts.

Man hätte glauben sollen, dass die City of Blantyre alles getan hätte, das Fahrzeug so schnell wie möglich in die Hände zu bekommen, es hat mich einen neunmonatigen Kampf gekostet!

Carsten jedenfalls tat alles, um das Fahrzeug aufzurüsten, er schafft es, die Kollegen seiner Wachabteilung zu mobilisieren (und einige andere der anderen Abteilungen dazu!), er zieht auf „Betteltour“.

Ich werde einmal gefragt, was meine Diplomatische Aufgabe denn beinhalte?? (Ich stehe im Range eines Staatssekr. HONORIS f.d. Min. of Information)) „Ich bin offizieller Bettler!“- und das trifft es genau- und besorgt ein hydraulisches Schneidgerät, Schaumgeneratoren und viele andere Dinge mehr.

Ich lasse mich nicht lumpen und „konfiszierte“ Schreibmaschinen, denn die gibt es da nicht, alles wird per Hand geschrieben, Strahlrohre und Verteiler usw. usw.. Hier, und das muss ich an dieser Stelle anführen, habe ich es mit sehr offenen Zuständigen zu tun.
Der Abteilungsleiter Technik z.B. hilft, wo er kann.

Was bei ihm etwas schwierig ist: Er ist Perfektionist und hat seine eigenen Vorstellungen über die Dinge, die es noch wert sind, verschenkt zu werden.

Diese Grenze setze ich z.B. sehr viel höher an, ein Fahrzeug mit 90.000 km auf dem Tacho gilt hier als Schrott, dort aber als „fast“ neuwertig!

Ganz klar: Was bei uns rausgeht, das ist in Ordnung, wir haben nicht entrümpelt, um denen unseren Abfall aufzubürden.

Genau in diese Zeit hinein kommt dann unser Francis, der jetzige Chef der FB Blantyre nach Hannover, dieses auf meine Bitte hin..

Der letzte Chef ist bei seinem Besuch etwas schwierig gewesen, er hat Probleme, zu begreifen, dass er hier nicht repräsentiert sondern lernen soll (Auf sehr hohem Niveau, aber immerhin), bei Francis ist das ganz anders.

Nun habe ich ihm das gleich klar gemacht, er hat da keine Probleme mit..

Ich habe es bereits angeführt, so eine Betreuung ist ein Vollzeitjob, das nicht nur weit mehr als die acht Stunden Arbeitszeit am Tage sondern auch sieben Tage die Woche, das über (dieses Mal) sechs Wochen.
Das geht auf die Dauer nicht.

Also Carsten, Hic Rhodos Hic Salta (hier ist Rhodos, nun springe. Dieses ist ein klassisches Wort für: Du hast es gesagt, nun mache es auch).

Carsten aus dem Dienst herauszulösen ist sehr schwierig, ich spreche mit dem Kollegen Siegfried H, Personalleitung, der spricht den Wachleiter an, klar, sehen wir mal, was wir machen können.

Es klappt dann auch ein paar Mal, dass Carsten sich loseisen kann, aber im wesentlichen hat er von frei aus „mit gespielt!“.

Er nimmt Francis auch mal zu einem Übungsabend der Freiwilligen Feuerwehr mit ( der arme Francis hat sicherlich abends anderes im Sinn, als noch mal zur Feuerwehr zu gehen, aber er tut es mit guter Miene und da dann im Anschluss kräftig gegrillt wird it auch das OK).

Carsten’s „Lieblingsfahrzeug“ ist der RTW, etwas, was ich nie begriffen habe.

Ich habe diese Caretta regelrecht gehasst! Dieses allerdings hindert mich nicht, da so viel zu lernen, als es nur irgendwie geht.

Eine gewisse Zeit nach seiner Rückkehr aus Afrika lade „ich“ mal wieder zwei Feuerwehrleute ein, Rayson und Rendson.

Wir kennen sie, sie kennen uns und es sind mit die Besten, die sie dort vor Ort haben.

Sinn ist es, ihnen zu zeigen, wie wir in Hannover Einsatzdienst machen.
Hier muss ich gestehen, dass ich des nachts immer wieder wach liege und grübele, ob es denn richtig sei, was wir da tun.

Auf der einen Seite nehmen sie natürlich so manches brauchbare an Wissen mit, auf der andren Seite werden sie niemals unseren Standard nur nahe kommen.

Wie müssen sie sich zu Hause fühlen, wenn sie einen Patienten auf der Fahrt verlieren, nur weil sie sein Volumen nicht auffüllen können (mittels einer normalen Infusion) und dann erinnern sie sich, dass wir konsequent einmal angebrochene Infusionsbeutel, egal, ob gebraucht oder nicht, wegwerfen. Das ist ja so richtig, nur: Für sie unverständlich.

In dieser Zeit brennt eine große Fabrik, ich fahre mit den Beiden hin, um mir mit ihnen die Schau anzusehen.

An der Einsatzstelle angekommen, es ist tiefster Winter, steigen die beiden aus dem Fahrzeug, der arme Raison rutscht auf dem gefrorenen Löschwasser aus und kracht fürchterlich auf seinen Achtersteven.

Dann aber, und das ist das Wesentliche für mich, da können sie den ungeheuren Aufwand bewundern, den wir bei so einem Feuer treiben. Wie muss es ihnen zumute sein, wenn sie jetzt an ihre eigenen Möglichkeiten denken?

Dieses ist ein grundsätzliches Thema, wenn man die Problematik „Entwicklungshilfe“ diskutiert. Ich kenne einen Fall, da hat es zwischen zwei Dörfern Mord und Totschlag gegeben, weil das eine Dorf einen Brunnen bekommt und das andere nicht.

Carsten ist bei dieser Geschichte offiziell frei gestellt, die Absprache ist: umschichtig, denen einen um den anderen Tag geht je einer der Beiden auf den Rettungswagen, der Andere kommt mit mir und macht normalen Dienst.

Der Rettungswagen ist dann Carstens Part und er hat eine erstaunliche Fantasie, was man da noch so alles machen könne.

„Achtung Achtung, Alarm Erster Zug, Feuer Ludwigstraße!“, ich stehe mir Rayson auf dem Wachhof, wir springen in unser Fahrzeug und fahren dem Löschzug hinterher.

DAS Ding will ich mir ansehen, denn - die Ludwigstrasse ist die offizielle Bordellstraße von Hannover.

Ich weiß aus meiner Rettungswagenzeit, dass da jeder Einsatz zumindest interessant ist, es ist immer irgend eine Situation, wo man nur noch den Kopf schüttelt. Zumindest ich bin meistens sehr gut klar gekommen, die „Damen“ vernünftig angesprochen, ohne Arroganz oder Überheblichkeit und dann klappt das in der Regel. (Mitunter auch nicht, wie im richtigen Leben!)

Wir parken draußen, der Löschzug steht am äußersten Ende der Straße, Rayson und ich stiebeln los.

Mit einem Male ist mein Kumpel weg, ich drehe mich um und sehe ihn unter einem Fenster, sich mit einer schwarzen Dame unterhaltend, die dort auf Kundschaft wartete. (Die wenigsten Ladies sind Deutsche!). Sie können sich gar nicht beruhigen, dass da ein schwarzer Bruder aus Afrika unter einem deutschen Helm längs läuft und rufen ihn erst einmal heran.

So leid es mir für ihn tut, ich muss ihn erst einmal weg zerren und in Richtung Feuer schubsen.

Ein Problem gibt es in Hannover: die Innenstadt ist voll von „Flüchtlingen“ aus bestimmten westafrikanischen Staaten, die hier mit Rauschgift dealen.

Die meisten Bürger haben eine Stinkwut auf diese „Gäste“, die aus Gründen des Selbstschutzes überwiegend an Schulkinder verkaufen.

Es kommt auch zu einigen unschönen Vorfällen, die angeblich beweisen, wie rassistisch wir doch sind.

Nein, stimmt so nicht, aber der normale Bürger unterscheidet nach einer bestimmten Zeit nicht mehr zwischen Gut oder Böse.

Afrikaner gleich Drogenhändler, das sind gefährliche Assoziationen, die mir große Sorgen bereiten.

Carsten und ich bemühen uns, das so darzustellen und es einzurichten, dass wir grundsätzlich mit ihnen in die Stadt gehen.

Wir haben es ganz klar gesagt: Wenn ihr alleine gehen wollt, bitte sehr, aber das ist euer Risiko.

Mein großer Kummer in Blantyre ist der Mangel an Atemschutzgeräten, ich habe vergeblich versucht, die aufzutreiben.

Ist leider nicht möglich, die Feuerwehr Hannover muss die gebrauchten Geräte wieder in Zahlung geben, die Firma, mit der die BF in Geschäftsbeziehung steht, will die nicht abgeben.

Ich laufe da voll gegen die Wand! Fahr- und Werkzeuge, alles habe ich geschafft, aber hier stoße ich nur in das Dunkel.

Francis und ich fahren nach Leipzig, eine der Partnerstädte aus der Zeit der alten DDR (und auch heute noch sehr freundschaftlich verbunden mit Hannover), ich will ihm mal eine andere Großstadtfeuerwehr, dazu eine, die sich nach der Wiedervereinigung gerade völlig neu organisiert, zeigen.

Carsten kann nicht mit, die Personalsituation gibt das einfach nicht her, aber das schaffe ich auch alleine.

In Leipzig werden wir sehr nett empfangen, der dortige Mann für die Öffentlichkeitsarbeit, Jochen P., hat hervorragend vorgearbeitet.

Erst einmal vorbeigefahren bei einem persönlichen Freund in der Wehr, ich muss lachen. Andy und seine Frau warten schon auf uns mit einem opulenten Frühstück, und auf dem Bord, ich sehe es noch, bevor es schnell verschwindet, ein Lehrbuch „Englisch“. Die haben noch schnell vorher Vokabeln gepaukt, und das nenne ich Optimismus.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie fließend man sich verständigen kann, wenn der Wille da ist und die Hände und Füße zur Verfügung stehen.

In Leipzig werden wir vom dortigen Amtsleiter empfangen, abends ein Abendessen mit ihm und einigen anderen Kollegen in „Auerbachs Keller“. Herr M. erzählt aus seiner Zeit als Amtsleiter der „Volkspolizei –Abteilung Feuerwehr Leipzig“, von den kleinen Problemen und den Fortschritten.

Es ist nicht ganz einfach, diese Dinge dem Francis zu übersetzten, es ist auch nicht nur eine Frage der Sprache.

Aber zuvor sitzen wir ja im Büro des Amtsleiters, er hört sich die Sorgen, die er so wohl auch das erste Mal in seinem Leben erfährt, an, sitz eine Zeitlang schweigend da und meint, dann müsse er mal sehen, was man da so machen kann!
Ich sage gar nichts, ich warte nur.

„Mister Chalugama, was ist ihre größte Sorge?“
„Atemschutz“
„Ich glaube, da können wir helfen!“

Steht die Welt still, fällt der Himmel auf mein Haupt??
Das kann es doch nicht sein, das gibt es gar nicht, jahrelanges vergebliches Suchen und jetzt die Lösung ausgerechnet von einer Wehr, die selber nach Gerät sucht?

Eine etwas längere Geschichte kurz erzählt: die neuen Bundesländer müssen sich nach dem Standard der Bundesrepublik ausrichten und die bis dato in Gebrauch befindlichen Geräte, die unseren Tauchgeräten ähneln, recht gut sind, aber eben nicht in unsere DIN passen, werden ausgemustert.

Der Auftrag geht an den Kollegen H. der die Atemschutzwerkstatt führt, ein Mann, den ich leider während dieses Besuches nicht mehr kennen lerne.. Er ruft mich ein paar Tage später an, machen wir, Herr B. sie müssen einfach mal her kommen und dann sehen wir uns die Geschichte mal an.

Dieter H. ein Mann, an den ich nur mit großem Respekt denke, was hat der Mann sich aus dem Fenster gelehnt, um die Sache über die Bühne zu bekommen. Dass er dabei einen Verwaltungsmann übergeht, der erst einmal gefragt werden will, das ist so ein kleines Nebengeräusch, aber wie sagt der Hamburger? „Gaanich um kümmern, gaanich um kümmern!“

Neue Dienstreise, dieses Mal war Carsten mit von der Partie, desgleichen ein anderer Kollege, „Hase“ der ungeheuer hilfsbereit ist, aber keinerlei Absicht hat, mal nach Afrika zu fahren. Das ist schon wieder die große Ausnahme, wie oft ich gefragt wurde, ob ich nicht den und den mit nach Malawi nehmen könne, das weiß ich nun wirklich nicht.

Abgesehen davon, dass das gar nicht in meiner Macht steht, das ist eine reine Chefsache bzw. die Sache des Dezernenten, so habe ich keine Lust, irgend welche Leute mitzuschleppen, die dort nur mal ein bisschen Abenteuer erleben wollen. Sie glauben es einfach nicht, welch harte Arbeit das wirklich ist.

Wir drei Musketiere fahren mit einem LKW gen Leipzig, das heißt: gefahren hat „Hase“, ihm kann keine Straße schlecht genug sein.

Gut, dass es solche Leute gibt, ich wäre mit Sicherheit verzweifelt und wer die Straßen aus der Zeit der DDR erinnert, der wird es mir nachempfinden können.

In Leipzig die Zimmer bezogen, Gästezimmer, die diesen Namen auch verdienen, Dieter H it inzwischen angerufen und kommt angebraust.

Kurzer Blick in die Augen, den Mann mag ich.

„Leute. Heute wird das nichts mehr, wir gehen erst mal in die Stadt!“ Andy mit von der Partie, es wird ein ganz toller Abend, Jochen P, der Pressemensch dabei, was haben wir gelacht..

Dass ich etwas zu tief in das Glas schaue, das wird nicht nur verziehen, das wird erwartet. Zum Teufel mit den Spießern, die einen guten Trunk verschmähen!

Dann aber habe ich sie doch verblüfft: Mein altes Afrikanerrezept gegen den „hang over“ (Trunkenheit) ist simpel aber erfolgreich, und auf jeden Fall immer wieder verblüffend für die, die das nicht kennen.

Es ist schlicht ein Glas Wasser mit einem Teelöffel voll Kochsalz. Das glaubt mir keiner?? Probiert es aus, medizinisch gesichert, es hat was mit der Osmose, der Demineralisierung der Zellen zu tun.

Als wir genug haben, da ist das junge Volk (Carsten und „Hase“) noch lange nicht fertig, Vorrecht der Jugend, - die gehen erst noch mal auf die Piste und wecken mich später, um ihre Abenteuer in irgend so einer Honky-Tonky –Bar zu erzählen.

Am nächsten Morgen aber geht es los, Dieter holt uns ab, raus auf seine Wache, dort seinen Mitarbeiter, Peter R. begrüßt. Auch so eine urige Type, offensichtlich gibt es doch ethnische Unterschiede. Feuerwehrleute sind eine eigene Rasse!

Ja, und dann haben wir geplündert, dass ich mir fast schon wieder unanständig vorkam. Mir wird versichert, dass dieses Gefühl völlig abartig sei.

Geräte, Masken, einen Kompressor zum Füllen der Flaschen, Ersatzteile en masse, der LKW geht so leicht in die Federn.

Ich rufe noch aus Leipzig den Botschafter in Bonn an, um ihm die frohe Botschaft zu verkünden und zu bitten, dass er, eingedenk der Erfahrungen mit dem Fahrzeug auf der Wache Vier, da etwas Dampf macht.

Er verspricht es und Blantyre ist verschnupft, das hätte ja wohl nicht Not getan.... Doch, hat es!

Dann, noch, bevor wir losfahren kurze Krisensitzung: „Leute, das ist ja alles ganz gut und ganz schön, aber da brauchen wir Leute, die daran auch ausgebildet werden!“ „Macht ihr da mit??“

„Dummer Bengel, natürlich!“ (Das ich gestandener Feuerfresser ein dummer Bengel war, das war natürlich neu für mich, aber ich weiß ja, wie es gemeint ist)..

Na gut, muss den Chef und den Dezernenten eben überzeugen, dass wir noch mal Leute einladen müssen, aber das sollte wirklich nicht das Problem sein. Das Problem ist, wie immer bei dem engen Zeitrahmen der Ausbildungsabteilung, das WANN, und das eilt nun!

Ich will die Leute in Malawi nicht zu lange mit den Dingern spielen lassen, ohne das sie damit überhaupt umgehen können..

Mein nächster Part: ich muss jetzt erst einmal die Ausbildungsanleitungen übersetzten. Nur mal so!

Das ich mit diesen Aktivitäten keineswegs ausgelastet bin, das dürfte jedem klar sein, also „besuche“ ich unseren Abteilungsleiter Technik und erzähle ihm von der alten Tragkraftspritze, die dort Mittel der Wahl ist: eine GODIVA (England), Baujahr 48, wassergekühlter Fordmotor, Batteriezündung.

Die Batterie muss nach jedem Einsatz neu geladen werden, weil die Ladevorrichtung defekt ist. Afrika lässt grüßen!

Ja, und dann mache ich mich bei einer Freiwilligen Feuerwehr unbeliebt, die müssen nämlich ihre Pumpe, eine TS 8/8, herausgeben. Was soll ich mit einer TS ohne Saugschläuche??

So langsam wird auch der Abteilungsleiter etwas nervös, Klaus, jetzt musst du erst mal auf die Bremse treten, aber gefragt ist gefragt und da ich Recht habe, bekomme ich auch diese..

Die Last tragen im Grunde die Kollegen der Pumpenwerkstatt, welche die erst einmal auf Vordermann bringen und das „Carsten-Team“, welches sich jetzt Gedanken machen muss, wie das Ding zu verpacken sei.

Nun ist es keineswegs so, dass die Feuerwehr mal eben so teure Geräte und Fahrzeuge per Handschlag weggeben kann.
Die müssen regelrecht abgeschrieben werden und gesetzliche Vorgaben verlangen, dass da auch noch ein entsprechender Gewinn zu erzielen sei.

Jede Schenkung muss dann beim Regierungspräsidenten beantragt werden, also auch für die Abteilung Technik und dem Chef entsprechender Papierkrieg. Dieses nur als Anmerkung, dass jeder der daran Beteiligten erhebliche Arbeitslast zu tragen hat.

Der Transport, dieses Mal auf dem Luftwege, klappt erstaunlich schnell. Ich nehme an, dass der Konsul und der Botschafter da die nötige Ernsthaftigkeit eingefordert haben.

Carsten und „Hase“ besorgen Holz, wie will ich gar nicht so genau wissen und bauen Transportkisten, nach Klärung der Finanzen wird die ganze Ladung dann von uns zum Flughafen gefahren und ab geht es.

Jetzt steht ernsthaft die Frage der auszubildenden Kollegen an, ich interveniere beim Amtsleiter, der seiht das auch absolut ein und überzeugt den Dezernenten, der nur bedenklich den Kopf schüttelt, aber was soll es, wat mut dat mut!

Die Beiden kommen, sind an sich mit Feuereifer bei der Sache, aber zum Ende der Ausbildung sind sie leider, anders als der Rendson und der Rayson, mehr am Einkauf als am Dienst interessiert.

Hier muss ich, und später der Carsten, mal mit einem Donnerwetter reinfahren und dann lief es wieder. Sie sind intelligent, sie sind willig, aber sie sagen sich auch: So eine Chance haben wir nie wieder. Wenn man so will, ein echter Interessenkonflikt zwischen ihren und unseren Wünschen.

Die ersten zwei Wochen werden sie in Hannover von mir ausgebildet, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Von den Kollegen der Atemschutzwerkstatt spricht leider keiner Englisch, also bleibt es gänzlich auf mir sitzen, auch wenn die Spezialisten absolut hilfreich sind.

Ich lasse sie erst einmal mit dem Gerät, nach dem ich das grob erklärt habe, durch die Wache, später dann einen Rundgang von einer halben Stunde auf der Straße laufen, dann aber, jetzt machen wir mal einen Belastungstest, auf den Steigerturm klettern.

Wir haben bei der Feuerwehr natürlich eine schöne Trainingsstrecke, wer weiß das besser als ich, aber da darf ich die nicht üben lassen.

Das Gesetz fordert ganz klar eine ärztliche Untersuchung für jeden, der dort trainiert, von „spazieren gehen auf der Straße“ aber sagt es nichts.. Paradox?? Ja und nein, wo will man da eine Grenze ziehen, wenn es um Vorschriften geht.

Dass sie auch in anderen Dingen unterwiesen werden ist nur zu klar, einmal wäre es sonst zu eintönig gewesen und dann sollte man so eine Chance nicht verpassen, denen noch andere Dinge mit auf den Weg zu geben.

Für mich ist es mal wieder ein mörderischer Stress, - und jetzt stand noch eine Woche „Leipzig“ an. Ich habe es so gewollt, ich habe kein Recht zu klagen, aber ich merke, dass meine jungen Jahre vorbei waren.

Ich bin inzwischen 55 Jahre alt, im Feuerwehrdienst bereits „Altherrenriege“

Also fahren wir nach Leipzig, dieses Mal ist kein „Hase“ da, der mir den Weg abnehmen kann. Die Strecke, sie verursacht bei mir Übelkeit, ab Magdeburg nur noch Chaos.

In Leipzig ist dann allerhärteste Arbeit angesagt, Dieter und Peter,
diese Urtype, geben sich die allergrößte Mühe, ich immer mitten drin, eine Pause gibt es für mich nicht, da sich keiner mit meinen Bambos (kein Schimpfwort!) auseinander setzen konnte.

Sie werden knallhart ran genommen, mit ein wenig: „Zeigen wir ihnen das auch mal“ war nichts..

Eine Wiederholung gibt es nicht, also müssen sie es jetzt lernen. Hier muss ich sagen, dass sie da hervorragend gearbeitet haben, die Leipziger Kollegen sind voll des Lobes.

Einmal habe ich mich dort mit einem der Feuerwehrleute angelegt und Dieter muss vermittelnd eingreifen.

Mir liegen die Nerven bloß, mein Lodious meutert, dass ihm das Mittagessen zu teuer sei (er wollte Geld für Einkäufe sparen, und das bei unseren Preisen) und ich pfeife ihn fürchterlich an.

Das wiederum reizt einen Feuerwehrmann, ex Lehrer, zu einem dummen Spruch ob des kolonialen Verhaltens der „Wessis“, womit er mich voll auf dem falschen Fuß erwischt.

Ich habe mich noch sehr zurück gehalten, aber ich koche vor Wut. Meine Reserven sind aufgezehrt und dann das..

Dieter hat ihn dann zurecht gewiesen, das geht so nun wirklich nicht.

Sehr viel sind wir abends nicht rausgegangen, Dieter verordnet mir einmal sogar dienstlich Bettruhe unter dem Hinweis, dass er hier mein Vorgesetzter sei, ehrlich! Der Grund: ich bin beim Übersetzen mitten im Satz, auf dem Tisch sitzend, eingeschlafen.

Glücklicherweise wohnt in der Zimmerzeile ein Inspektorenanwärter, der dort einen auswärtigen Abschnitt macht und mit Hans habe ich mich herrlich verstanden.

Es ist eine verrückte Zeit, Hans ist ex Oberleutnant der Panzerjäger in der Bundeswehr, ich habe einen Unteroffiziersdienstgrad unserer Luftwaffe, Jochen und Dieter waren beide Leutnante der Volkspolizei.

Noch vor wenigen Jahren hätten wir uns nicht einmal grüßen dürfen, und hier finden wir uns zusammen bei Wein und Gesang! Ich weiß nicht, wie viele Welten es gibt, aber verrückter als die unsrige können die nicht sein.

Es ist geschafft, nach Hause, nach Hause, übermorgen ist alles zu Ende, dann sitzen die Beiden im Flugzeug und ich habe Urlaub.. Was ich da tun wollte?? SCHLAFEN!

Der Mensch denkt, doch Gott lenkt, ich verpasse deren Flugzeug! Wie das passiert ist??

Bitte frage mich keiner, es ist halt passiert..

Alles zurück, der Leiter vom Dienst (es war ein Sonntag) schüttelt nur noch den Kopf, meine Bitte: Aktiviert den Carsten, das wird nichts mehr mit mir!

Ich habe mich so auf den Urlaub gefreut, aber das war jetzt, da diese Panne auch mein Fehler, wenn sicherlich nicht zur Hauptsache, ist, sekundär. “Wie soll ich das denn machen bei unserer Personalstärke??“ Ich weiß es auch nicht..

„Ja, komme erst einmal her, wir sehen weiter!“
Dass der Mann mir nicht vor Freude um den Hals fällt mag jeden klar sein, aber was sollte er machen.

Carsten ist zwar auch nicht überglücklich, aber er nimmt es in guter Haltung, und er macht den beiden erst gleich klar, dass mit ihm keiner dumme Scherze treiben dürfe.

Ich bin dann nicht mehr dabei, aber sie kommen mich zu Hause besuchen und Carsten erzählt mir, dass er sie fürchterlich rangenommen habe.. Bravo! Versucht haben sie auch, ihn „vorzuführen“, alles Andere wäre auch unnatürlich gewesen. Nur geklappt hat es nicht, und das war gut!



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 15.02.2009 18:35 Klau7s B7., Isernhagen

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