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RubrikAusbildung zurück
ThemaTheoretische Ausbildung zum Thema 'Blackout'    # 23 Beiträge
AutorHart8mut8 M.8, Aying / Bayern854233
Datum15.12.2019 13:28      MSG-Nr: [ 854233 ]1147 x gelesen
Infos:
  • 08.12.19 Berliner Feuerwehr: TankNotStrom
  • 05.12.19 FW-Forum: Präsentation Großflächiger Stromausfall

  • Für das erste Halbjahr 2020 möchte ich eine Info für Gruppenführer zum Thema Blackout ausarbeiten.
    Derzeit kann ich dir nur die Ergebnisse meiner bisherigen Recherchen zusammenfassen.

    Bei der theoretischen Ausbildung zum Thema "Blackout" geht es meines Erachtens um vier Punkte:
    1) Einsatzbereitschaft der Mannschaft so gut es geht aufrecht erhalten
    2) Einsatzbereitschaft der Ausrüstung aufrecht erhalten, hier insbesondere die Versorgung mit Diesel und Benzin
    3) Kommunikationswege zwischen Leitstelle-Feuerwehr, Bürger-Feuerwehr, Einsatzkräfte untereinander aufrechterhalten oder improvisieren
    4) Einsatzmaßnahmen, die nur bei einem Blackout von der Feuerwehr ausgeführt werden müssen, zumindest theoretisch durchsprechen.

    1) Einsatzbereitschaft der Mannschaft
    Die Bedeutung von Punkt 1) wurde von Volker L. schon betont. Ich empfehle jedem Bürger, insbesondere BOS-Einsatzkräften, etwas für die Resilienz und Krisenfestigkeit von Familie und persönlichem Umfeld zu tun. Dabei haben die Familien von Feuerwehrleuten mit denselben Problemen zu kämpfen wie alle anderen Bürger: a) Heizung b) Abwasser c) Trinkwasser d) Nahrung e) ggfs. Medikamente. Als Hintergrund-Info ist das Buch "Was bei einem Blackout geschieht" vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag sehr zu empfehlen.
    a) Heizung
    Wenn ein Blackout von Terroristen verursacht wird, um möglichst viel Chaos und Schaden anzurichten, dann wird der Schlag wahrscheinlich im Hochwinter bei minus 15 Grad Celsius erfolgen. Mein Tipp für alle, deren Heizungssystem auf Strom angewiesen ist: Ihr müsst nicht unbedingt die gesamte Raumluft einer Wohnung beheizen, um es warm zu haben. Es reicht, wenn ihr euren Körper wärmt. Wer für seine Familienmitglieder einen großen Karton voll mit Wärmflaschen kauft, braucht nur noch Wasser und eine Möglichkeit zum Erzhitzen. Da tut's schon ein einfacher Gartengrill. Im Handling am einfachsten ist ein "Solo Stove" oder vergleichbare Produkte, die mit einem Minimum an Brandgut einen Liter Wasser erhitzen können. So ein Mini-Ofen ist auch für Camping o.Ä. gut zu gebrauchen. Für das erforderliche Wasser kann man sorgen, indem man pauschal bei einem Stromausfall erst einmal die Badewanne volllaufen lässt. Einfach zur Sicherheit, denn jeder Blackout sieht zunächst einmal aus wie ein normaler, kurzfristiger Stromausfall. Vorsicht mit Wärmflaschen bei Babies, die noch nicht sagen können, dass es zu heiß ist. Achtung: Wärmflaschen kommen heute alle aus Asien und sind i.d.R. aus sehr minderwertigem Gummi/Kunststoff, der sehr schnell spröde wird. Ich habe schon erlebt, dass eine nur wenige Jahre alte Wärmflasche beim Befüllen einfach komplett aufgerissen ist. Die Wärmflaschen sollte man alle Jahre kontrollieren und ggfs. gegen neue austauschen. Die theoretische Blackout-Ausbildung könnte auch den Tipp an die Feuerwehrkameraden beinhalten, dass jeder Haus-/Wohnungsbesitzer (und idealer Weise auch der Mieter) wissen sollte, wie man im Notfall das Heizungssystem des Hauses entwässert. Wenn nämlich die Rohre nach mehreren Tagen starkem Frost wegen des gefrierenden Wassers platzen, dann gibt's auch nach dem Blackout für lange Zeit keine Heizung mehr.
    b) Abwasser
    Viele Abwassersysteme benötigen Strom für Hebeanlagen. Das gilt zuallererst für Toiletten in Kellergeschossen unterhalb des Kanal-Niveaus, aber teilweise auch für die kommunale Kanalisation. Ich lebe glücklicherweise in einer Kommune, bei der das Abwasser im so genannten "Freispiegel" mit natürlichem Gefälle zur Kläranlage fließt. Wenn allerdings die Trinkwasserversorgung ausgefallen ist, dann hat man trotzdem ein Problem. Selbst wenn man die Toilette mit Wasser aus der Regentonne spült, wird die "Einlage" wahrscheinlich nicht weit kommen. Denn es fehlt das Wasser, das von Waschmaschinen, Duschen etc. stammt und die Feststoffe normalerweise fortschwemmt. Das heißt, dass beim Blackout wahrscheinlich fast überall die Kacke am Dampfen ist. Wer für sich und seine Familie vorsorgen will, kann sich eine Trockentoilette besorgen. Die primitivste Lösung dazu ist ein großer Eimer mit großem, stabilem Kunststoffsack drin und dicht verschließendem Deckel drauf. Der Eimer kann "in Friedenszeiten" auch anderweitig genutzt werden und ist eine Vorsorge, die i.d.R. jeder einfach treffen kann. Ideal dazu wäre noch ein Vorrat an Sägemehl, mit dem man frische "Einlagen" im Eimer bestreut, und einigen Tüten in Reserve. Übrigens: In den Eimer kommen natürlich nur "große Geschäfte".
    c) Trinkwasser
    Wasservorräte anzulegen, ist für die meisten heutzutage aus Platzmangel schwierig. Dazu kommt, dass i.d.R. Wasser auch haltbar gemacht werden muss. Wer sich aber mit Entkeimungstabletten und einem kleinen Trinkwasser-Filtersystem aus dem Prepper-Bedarf bevorratet, kann sich für kleines Geld und minimalem Platzbedarf die Möglichkeit offen halten, notfalls auf Nicht-Trinkwasser auszuweichen. Ich habe das Glück in einem Dorf mit Trinkwasserhochbehälter zu leben. Der funktioniert auch ohne Strom und reicht für mindestens einen Tag. So habe ich genug Zeit, die Trinkwasserkanister, die ich im Keller für den Blackout-Fall lagere, zu befüllen. Wenn die Kanister dann mal zur Neige gehen sollten, kann ich immer noch mit den Kanistern zu einem offenen Gewässer fahren, das Wasser dort ggfs. filtern und mit Entkeimungstabletten behandeln. Diese Tabletten sind in niedriger Dosis auch für die Lagerung von "sauberem" Wasser zu empfehlen. Ich habe mich für Weithalskanister entschieden, weil man die Dinger dann einfacher reinigen kann. Wer sind das Geld für Entkeimungstabletten sparen will, kocht das Wasser einfach auf seinem Gartengrill ab. Damit ich mit meinem Diesel-Pkw auch dann noch mobil bin, wenn beim Blackout die Tankstellen ausfallen, habe ich im Heizöltankraum ein paar 20-Liter-Kanister Winterdiesel (ohne Bio-Ethanol) gelagert, die ich alljährlich aufbrauche und neu befülle. Der Aufwand für mich ist überschaubar und ist es mir Wert. Das ist aber Ansichtssache. Ein Fahrrad tut's im Ernstfall wahrscheinlich auch irgendwie ;-). Wahrscheinlich wird es meist nicht nötig sein, dass sich Bürger selbst von irgendwo weit entfernt Wasser aus offenen Gewässern holen, weil dies vielerorts von den Feuerwehren übernommen werden wird (siehe 4) Einsatzmaßnahmen).
    d) Nahrung
    So schnell verhungert man nicht. Jeder Haushalt verfügt über einen gewissen Vorrat an Lebensmitteln. Außerdem glaube ich an die Solidarität von Nachbarn und Freunden. Und letztlich gilt: Die meisten Erwachsenen können heutzutage leicht zwei Wochen Nulldiät überleben. Wenn sich die Nahrungsmittelvorräte für den Katastrophenfall aus denselben Lebensmitteln zusammensetzt, die man sowieso laufend verbraucht, dann benötigt man nur ein wenig zusätzlichen Lagerplatz. Beim Blick auf die Kalorien in einem Liter Speiseöl relativiert sich die Angst zu verhungern. Mit Babys und Kleinkindern ist das alles nicht so einfach, aber i.d.R. auch irgendwie machbar.
    c) Medikamente
    Wenn die Gesundheit oder sogar das Leben von der regelmäßigen Einnahme an Medikamenten abhängt, sollte man m.E. davon immer einen Vorrat von mindestens 14 Tagen haben. Zur theoretischen Ausbildung "Blackout" gehört für mich der Hinweis an die Feuerwehrleute, dass sie die Medikamentenversorgung ihrer Familie und auch von Eltern und Großeltern prüfen sollten.

    Fazit: Man muss kein Prepper sein, um für einen Blackout-Fall vorzusorgen. Und man darf so einen Stromausfall auch nicht überdramatisieren. Es reichen schon ein Gartengrill, evtl. Entkeimungstabletten, ggf. ein kleiner Trinkwasser-Filter, Trinkwasserkanister, ein großer Eimer mit Deckel, ein paar Kunststoffsäcke. Vielleicht sieht man zu, dass man ein paar kalorienreiche Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs künftig immer auf Vorrat hat. Ebenso alle wichtigen Medikamente für mindestens 14 Tage. Dazu noch ein paar Wärmflaschen und ein Fahrrad. Fertig. Mit diesen einfachen persönlichen Vorsorgemaßnahmen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Feuerwehrleute auch im Blackout-Fall für Einsätze zur Verfügung stehen.

    2) Einsatzbereitschaft der Ausrüstung
    Zur Vorbereitung auf einen etwaigen Blackout-Fall könnte der Führungskreis der Feuerwehr diskutieren, wie man an Diesel- und Benzin-Vorräte kommt. In Stadt und Land gibt es da die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Die Strom-Einspeisung an Tankstellen ist nicht trivial und sollte mit Fachleuten und den Besitzern/Betreibern der Tankstellen im Vorfeld der "kalten Lage" erörtert werden. Gleiches gilt für die Sprit-Entnahme aus den Tanks über Pumpen der Feuerwehr. Die Ergebnisse der Planung fließen dann in die theoretische Ausbildung der Mannschaft ein.

    3) Kommunikationswege
    Mal ganz abgesehen vom Blackout-Fall ist auch bei einem kurzfristigen Stromausfall der Notruf ein Problem. Zu diskutieren wäre, ob bei einem Stromausfall standardmäßig das Feuerwehrhaus durch Einsatzkräfte besetzt werden sollte - insbesondere in kleinen Kommunen am Land, die einige Kilometer vom nächsten Ort entfernt sind. Natürlich sollten die Bürger dann darüber informiert werden, dass sie im Notfall auch am Feuerwehrhaus einen Notruf absetzen können. Ab wie vielen Minuten Stromausfall sollten welche Feuerwehrleute zum Feuerwehrhaus kommen, um als Notruf-Meldestelle da zu sein? Diese Regelungen und alles, was die Kommunikation während eine etwaigen Blackout betrifft, organisiert jede Feuerwehr am besten nach Lage vor Ort individuell. Für die Führungskräfte einer Feuerwehr wäre es gut zu wissen, wie lange nach Ausfall der Stromversorgung welche Funkverbindungen in ihrem Schutzbereich noch funktionieren werden. Darüber sollte die Leitstelle Auskunft geben können. Damit nicht jede Feuerwehr einzeln anfragt, empfiehlt es sich, die Informationen dazu auf Kreisebene zu bündeln. Aufbauend auf diesen Informationen können dann mögliche Maßnahmen diskutiert werden.

    4) Einsatzmaßnahmen
    Wenn es um die Notstrom-Einspeisung von Tankstellen oder die Sprit-Entnahme über Pumpen der Feuerwehr geht, dann reicht eine theoretische Ausbildung i.d.R. nicht aus. Sobald entsprechende Vorkehrungen getroffen sind, sollte das m.E. praktisch beübt werden. Die Versorgung der Bürger mit (Trink-)Wasser könnte als Aufgabe auf die Feuerwehren zukommen, die mit Löschfahrzeugen von geeigneten Stellen Wasser holen und dann in den Ortsteilen/Stadtvierteln an die Bürger abgeben. Auf alle Fälle wäre es wichtig, dass sich das Feuerwehrhaus auch für viele Tage dauerhaft mit Notstrom versorgen lässt. Denn wenn Infos für die Bürger am PC erstellt und in großer Zahl ausgedruckt werden können, wird das die Arbeit der Feuerwehr im Kontakt mit den Bürgern deutlich vereinfachen. Wer sich einen Überblick darüber verschaffen will, welche Probleme im Blackout-Fall auf die Feuerwehr sonst noch so zukommen können, kann im Vorfeld bei den Infrastruktur-Versorgern anfragen, welche neuralgischen Punkte bei langfristigem Stromausfall ein Problem verursachen könnten: Abwassernetz, Hochwasserschutz, etc. Falls dort spezielle Maßnahmen erforderlich werden können, sollten diese Bestandteil zumindest der theoretischen Blackout-Ausbildung sein. Wie in dem Buch "Was bei einem Blackout geschieht" beschrieben, treten in Krankenhäusern und Justizvollzugsanstalten bei längerem Stromausfall massive Probleme auf, zu deren Linderung dann möglicherweise auch die umliegenden Feuerwehren über Landkreisgrenzen hinweg herangezogen werden. Kommandanten können ihre Kreisbrandräte fragen, ob und mit welchen Einsatzaufträgen hier zu rechnen ist. Vielleicht kommt da in einigen Fällen als Antwort nur ein Achselzucken. Aber möglicherweise ist das dann der Anstoß für die Arbeit an Blackout-Konzepten für Krankenhäuser und Justizvollzugsanstalten. Wünschenswert wäre es, m.E. wenn sich die Feuerwehr auf allen hierarchischen Ebenen bis hinauf zu den Innenministerien stärker mit dem Thema Blackout befassen würde. Maik, mit deiner Frage hier im Forum leistest du dazu wahrscheinlich auch schon einen kleinen Beitrag, prima!

    Insbesondere die Spritversorgung der Feuerwehren im Blackout-Fall erfordert eine landes- oder besser bundesweite Regelung. Notstromeinspeise-Einrichtungen sollten m.E. für Tankstellen zur Pflicht gemacht werden. Ich hoffe, dass der eine oder andere Leser an der entsprechenden Stelle in Feuerwehrverbänden, Ministerien oder Politik sich jetzt angesprochen fühlt und in dieser Sache aktiv wird.

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     05.12.2019 13:50 Maik7 S.7, Pulsnitz
     05.12.2019 14:17 Lars7 B.7, Zwinge
     05.12.2019 16:10 Andr7eas7 K.7, Magdeburg
     06.12.2019 19:56 Juer7gen7 W.7, Frechen
     06.12.2019 22:34 Jörn7 V.7, Grafrath
     08.12.2019 21:35 Pete7r M7., Wien
     06.12.2019 22:48 Thor7ben7 G.7, Leese
     06.12.2019 22:57 Wern7er 7G., Blankenburg (Harz)
     08.12.2019 12:29 Juer7gen7 W.7, Frechen
     09.12.2019 19:14 Dirk7 S.7, Lindau
     10.12.2019 08:26 Hara7ld 7S., Köln
     10.12.2019 10:05 Volk7er 7L., Erlangen
     10.12.2019 11:25 Volk7er 7L., Erlangen
     10.12.2019 12:19 Hara7ld 7S., Köln
     10.12.2019 12:28 Volk7er 7L., Erlangen
     10.12.2019 12:43 Chri7sti7an 7R., Fichtenberg
     10.12.2019 13:44 Volk7er 7L., Erlangen
     10.12.2019 13:29 Bern7har7d D7., Schwetzingen (BaWü)
     10.12.2019 13:48 Volk7er 7L., Erlangen
     15.12.2019 13:28 Hart7mut7 M.7, Aying  
     15.12.2019 17:45 Chri7sti7an 7S., Wasserburg/Bodensee
     15.12.2019 17:50 Chri7sti7an 7S., Wasserburg/Bodensee
     14.01.2020 12:05 Maik7 S.7, Oberlichtenau

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